Vereinter Bürgersinn ist Macht

1914

Der 1. Weltkrieg bricht aus. Die Kriegsjahre belasten die Wirtschaft und erhöhen die Zahl der Bedürftigen. Dies bedeutet auch für die „Linzer Bürgertisch- Gesellschaft“ eine große finanzielle Herausforderung. Die bisherige „Stipendienhilfe“ bei der Personen laufend unterstützt werden, wird durch eine „Anlasshilfe“ erweitert. Bei dieser wird Bedürftigen in einzelnen Notfällen (Kohlerechnung, Arztrechnung, Mietenzuschuss, Sachspenden) geholfen.

1916

Josef Böheim wird Ehrenmitglied.

1919

Am 17. April stirbt Josef Böheim im 73. Lebensjahr. Sein Nachfolger wird der k.u.k. Hoftischler Ferdinand Steinparzer, dessen Haus Bethlehemstraße 10 heute noch als einziges an die alte Baulinie erinnert.

Im Dezember dieses Jahres wird die erste Weihnachtsaktion durchgeführt, in der Bedürftige mit namhaften Geldbeträgen unterstützt werden. Auch eine Werbeaktion wird eingeleitet, da die Mitgliederzahl kriegsbedingt stark gesunken ist.

Ferdinand Steinparzer unterstützt auch tatkräftig die Verwirklichung eines Planes, der schon aus der Zeit seines Vorgängers Josef Böheim stammt – den Erwerb eines Hauses zwecks Schaffung billigen Wohnraumes.

1923

Am 19. März erwirbt die „Bürgertisch-Gesellschaft“ von der Witwe Theresia Augner das Haus Wiener(Reichs)-Straße 3 für den „vollständigen Unterhalt auf Lebensdauer“ (Leibrente), das „Wohnrecht“ und das „Fruchtgenussrecht“ für den Garten.

Die 24 bewohnten Kleinwohnungen unterliegen jedoch dem Mieterschutz und können somit nur nach Freiwerden satzungsgemäß vergeben werden.

1924

Das erste Bürgerkränzchen wird mit großem Erfolg abgehalten. Am 6. Oktober stirbt Ferdinand Steinparzer. Seine Witwe überweist aus der Verlassenschaft der „Bürgertisch-Gesellschaft“ einen namhaften Betrag zur Renovierung des neuen „Bürgerhauses“.
Väter des Bürgerhauses

Abbildung: Die Väter des Bürgerhauses

Die Väter des Bürgerhauses

1 Franz Dieringer, 2 Max Wöhrle, 3 Viktor Gschiel, 4 Josef Schneider, 5 August Stadler, 6 Georg Stüber, 7 Andreas Oberhumer, 8 Johann Scharmüller, 9 Ludwig Böttcher, 10 Karl Helletzgruber, 11 Josef Seitz, 12 Ferdinand Steinparzer, 13 Heinrich Quaiser, 14 Rudolf Oberwalder, 15 Franz Pöll, 16 Rudolf Watschinger, 17 Franz Hörlsberger, 18 Johann Waldl

1925

Am 17. April wird der bekannte Linzer Kettenfabrikant KommR Georg Stüber zum 4. Obmann gewählt. Unter seiner Leitung wird die 1. Großsanierung des Bürgerhauses durchgeführt und im Herbst 1926 abgeschlossen.

1926

Das Bürgerhaus 1926

Bürgerhaus 1926

Am 2. Oktober wird im Beisein von Bürgermeister Josef Dametz im Bürgerhaus die Gedenktafel mit den Namen der „Väter des Bürgerhauses“ feierlich enthüllt.

1927

KommR Georg Stüber legt wegen Arbeitsüberlastung sein Amt nieder. Nachfolger wird sein Stellvertreter, der angesehene Linzer Kaufmann und Kammerfunktionär KommR Karl Helletzgruber.
Am 17. November wird im Volksgartenrestaurant im Zuge einer Feier der zweite Bürgertisch eingeweiht.

1929

Am 26. Oktober findet in den Sälen des Kaufmännischen Vereinshauses (heute Palais Kaufmännischer Verein) eine glänzende 40-Jahr-Feier statt. Die „Bürgertisch-Gesellschaft“ zählt zu dieser Zeit 1.150 Mitglieder, im Bürgerhaus sind 7 Wohnungen satzungsgemäß vergeben.
Im gleichen Jahr beginnt die Weltwirtschaftskrise. In der Folge entwickelt die „Bürgertisch-Gesellschaft“ eine große humanitäre Tätigkeit. In einem Bettelbrief aus dem Jahr 1935 an die Linzer Gesellschaftswelt wird neben Geldspenden auch um Lebensmittel, Kleidung, Wäsche und Heizmaterial gebeten. In einer Weihnachtsaktion werden 145 „Schützlinge“ mit Geld- und Sachspenden unterstützt.

1936

Am 19. Juni stirbt KommR Karl Helletzgruber. Sein Nachfolger wird der Linzer Cafetier Franz Holzinger. Das Bürgerhaus wird renoviert.

1937

Das Bürgerhaus wird renoviert. Es steht mit 22.120,– Schillinge zu Buche und wird bereits von 14 Schützlingen bewohnt. Der Verein zählt 940 Mitglieder, im 2. Bürgertisch sind schon 562 Namen verewigt.